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  Denken und Lernen
 

Denken und Lernen

Zugegeben: Meerschweinchen werden wohl nie zu einer Nation der Denker werden.
Fressen, Rumwuseln und Schlafen rangieren in der Rangliste der Lieblingsbeschäftigungen sicher weit vor den Punkten Denken und Lernen. Dennoch sind Meerschweinchen nicht dumm und können einiges lernen. Am einfachsten gelingt dies über die klassische Konditionierung, oder - mit etwas mehr Einsatz seitens des Schweinetrainers - operante Konditionierung.

Für diejenigen, die mit den Begriffen „klassische und operante Konditionierung“ nichts anfangen können, folgt eine kleine Einführung in das Thema.

Ganz wichtig für alle Schweinehalter: Nicht direkt nach den ersten beiden Absätzen das Schwein schnappen und lostrainieren, sondern unbedingt auch die Abschnitte „Training mit Meerschweinchen“ unten auf der Seite lesen!


Klassische Konditionierung

Bei der klassischen Konditionierung werden Verbindungen zwischen Reizen geknüpft, die regelmäßig direkt nacheinander auftreten und eine natürliche Reaktion beim Tier auslösen. Dies ist eine sehr direkte und einfache Form des Lernens, die selbst für Schnecken und andere ähnlich simpel gestrickte Tiere möglich ist. Warum also sollte es für unsere pelzigen Freunde ein Problem darstellen?

Wie funktioniert klassische Konditionierung?

Klassische Konditionierung funktioniert häufig von ganz alleine und erweist sich als sehr hartnäckig. Zum Beispiel schreien die meisten Meerschweinchen kurz vor der Fütterung laut rum. Vor Freude? Vor Ungeduld? Aus Empörung, dass man sie so lange hat warten lassen? Wir wissen nicht, warum sie herumschreien, aber es scheint – zumindest für Hausmeerschweinchen – eine natürliche Reaktion aufs Füttern zu sein.
Nun gehen der Fütterung häufig bestimmte Geräusche voraus: das Klappern der Besteckschublade, Klappen der Kühlschranktür, Rascheln einer Plastiktüte, Klimpern von Pellets in einem Glas, etc... Da das Geräusch zeitlich direkt vor der Fütterung stattfindet, hält das Meerschweinchen dieses Geräusch bald für die „Ankündigung“ der Fütterung – und schreit schon alleine aufgrund des Geräusches herum.

Dies endet häufig wiederum mit einer Konditionierung des Schweinehalters: Da er weiß, dass das Geräusch zuverlässig dem Schweinegeschrei vorausgeht, versucht er es tunlichst zu vermeiden und öffnet die Besteckschublade nur noch mit angehaltenem Atem in Zeitlupentempo, setzt Gläser und Tüten mit Fingerspitzengefühl und absolut lautlos auf Regalböden ab, usw.
(Genaugenommen handelt es sich bei dem Schweinehalter nicht um klassische Konditionierung, da es sich nicht um natürliche Reaktionen handelt, aber wir wollen mal nicht so streng sein…).

Solche Konditionierungen kann man natürlich auch bewusst herbeiführen indem man zum Beispiel direkt vor der Fütterung immer ein bestimmtes Signal (z.B. Klingelton) gibt. Mit so einem Konditionierungs-Geräusch lässt sich die faule Schweinebande in Null Komma nichts auf 180 bringen.


Operante Konditionierung

Flummi-Bummi Kaugummi

Die operante Konditionierung ist eine (sowohl für den Trainer, als auch für das Tier) etwas anspruchsvollere Form des Lernens, die man häufig in der Tierdressur findet. Meerschweinchen haben grundsätzlich Grips genug, um einige Tricks zu lernen.
Beispielsweise können Meerschweinchen lernen, sich auf Kommando um die eigene Achse zu drehen (zu sehen in diesem Video), Männchen zu machen, Pfötchen zu geben oder über eine Wippe zu laufen. Von einer Dressur mit wirklich "sinnvollen" Tricks mit Meerschweinchen (Zeitung aus dem Briefkasten holen, staubsaugen, Büroarbeiten) ist allerdings nichts bekannt. Und auch den Sprung durch einen brennenden Reifen sollte man sich insbesondere bei Langhaarmeerschweinchen aus dem Kopf schlagen (Verpuffungsgefahr). Manch einer mag sich daher fragen: Wozu das ganze? Die Antwort lautet: Aus Spaß am Spiel mit dem Schweinchen.

Wie funktioniert operante Konditionierung?

Bei der operanten Konditionierung belohnt man gezielt ein zunächst zufälliges Verhalten des Meerschweinchens. Meerschweinchen sind - wie fast alle Lebewesen - scharf auf Belohnungen und werden daher dieses Verhalten anschließend häufiger zeigen.
Selbst „schwierige“ Verhaltensweisen können schrittweise antrainiert werden.
Zum Beispiel wird anfangs jede Berührung mit einer Wippe belohnt. Ein neugieriges (und cleveres) Schweinchen wird recht bald herausfinden, dass die Belohnung irgendetwas mit der Wippe zu tun hat. Wenn das Schweinchen Lust zum Spielen hat (das ist ohnehin die Grundvoraussetzung), wird es von sich aus an der Wippe herumdameln, bis es zufällig mal ein Verhalten zeigt, dass ähnlich ist, wie das gewünschte Verhalten. Zum Beispiel stellt es zufällig eine Pfote auf die Wippe – Zack: Belohnung. Nun wird das Schweinchen häufiger mal eine Pfote auf die Wippe stellen, um eine Belohnung herauszukitzeln.
Dann geht man dazu über, nur noch Verhaltensweisen zu belohnen, die dem gewünschten Ziel (Wippe überqueren) ein bisschen ähnlicher sind. Zum Beispiel gibt es noch eine Belohnung, wenn beide Vorderpfoten auf die Wippe gestellt werden. So nähert man sich schrittweise dem gewünschten Ziel an, bis das Schweinchen früher oder später gelernt hat, über die Wippe zu laufen.
Eine entsprechende Belohnung erwartet es dafür natürlich immer noch.


Belohnung

Man sollte sich immer bewusst sein, dass Meerschweinchen nur über Belohnungslernen zu trainieren sind. Sie können verstehen, dass sie für bestimmte Verhaltensweisen ein Leckerchen bekommen.
Über Bestrafungen kann man Meerschweinchen dagegen nichts beibringen. Zum einen sollte man sich dies ohnehin aus dem Kopf schlagen, wenn man sich nur zum Spaß ein bisschen mit den Schweinen beschäftigen will. Dies sollte immer beiden Seiten Spaß machen! Zum anderen unterstelle ich Meerschweinchen einfach mal nicht den nötigen Grips, um zu verstehen, dass eine Strafe eine Konsequenz für ein falsches Verhalten war. Bestrafung wird kein Meerschweinchen zu irgendeinem gewünschten Verhalten führen, es sei denn, man möchte ein verängstigtes Schweinchen, das den menschlichen Kontakt meidet.

Der richtige Zeitpunkt für die Belohnung

Möchte man, dass das Schwein den Zusammenhang von Verhalten (z.B. Pfote auf Wippe stellen) und Belohnung lernt, so muss die Belohnung direkt nach dem Verhalten gegeben werden – am besten im selben Augenblick.
Kommt die Belohnung zu spät, schnallt das Schwein den Zusammenhang nicht mehr. Beim Training mit Meerschweinchen ist es schwierig, die Belohnung immer zum passenden Zeitpunkt zu geben.

Um die Sache mit der Belohnung einfacher zu gestalten (und vor allen Dingen immer zum passenden Zeitpunkt belohnen zu können), kann man mit einem „Clicker“ arbeiten. Ein Clicker ist ein Geräusch, das für das Meerschweinchen fest mit einer Belohnung verbunden ist. Dazu muss dem Schwein erst einmal der Zusammenhang von Clicker und Belohnung beigebracht werden.
Je nach Intelligenz und Interesse des Schweinchens benötigt man einige wenige bis hin zu unendlich viele Durchgänge, in denen man das Clickergeräusch und umgehend danach (d.h. innerhalb von Sekundenbruchteilen) eine kleine Belohnung gibt, die beim Schweinchen besondert beliebt ist.

Während des Trainings kann man dann das Schwein im gleichen Augenblick in dem es das gewünschte Verhalten zeigt, mit dem Clickergeräusch „belohnen“. Das Schwein weiß dann, dass genau dieses Verhalten das richtige war. Damit das ganze funktioniert (und das Schwein auch weiterhin Interesse am Spiel hat) muss natürlich immer noch möglichst schnell eine echte Belohnung (Salatstück o.ä.) im Anschluss an das gewünschte Verhalten gegeben werden.

Das geeignete Clickergeräusch

Die Clicker, die im Tierhandel für das Training mit Hunden oder Katzen angeboten werden, sind für Meerschweinchen ungeeignet, da das Geräusch viel zu laut ist. Meerschweinchen werden bei diesem Geräusch sofort die Flucht ergreifen und sich um eine eventuelle Belohnung nicht weiter kümmern.
Das „Clickergeräusch“, das die Belohnung anzeigt, sollte möglichst kurz und jedes mal gleich sein. Man kann zum Beispiel mit der Zunge ein leises Klickgeräusch machen, sofern man dieses oft und identisch hintereinander hinbekommt, ohne dass man einen Krampf in der Zunge bekommt. Der Vorteil dieser Methode ist auch, dass man die Hände frei hat.


Voraussetzungen für erfolgreiches Training

Grundsätzliche Voraussetzungen für das erfolgreiche Training sind: ein neugieriges Meerschweinchen, das nicht zu scheu und nicht ganz vollgefressen ist (Stichwort Motivation). Darüber hinaus werden genügend Belohnungen (z.B. Mini-Gurkenstückchen) benötigt und eine Menge Geduld. Also im Grunde machbar.

Etwas schwieriger wird es mit den optimalen Trainingsbedingungen. Am besten funktioniert so ein Training, wenn sich ein Schwein – ohne Ablenkung von Kollegen – auf das Training konzentrieren kann und die Belohnungen und Clicks ganz eindeutig dem eigenen Verhalten zuordnen kann.
In der Schweinegruppe stürzt sich erfahrungsgemäß die ganze Horde auf die Belohnungen und keiner weiß, wer mit dem Belohnungsclick gemeint war. Ist ihnen auch völlig wurscht, solange es reichlich Gurkenstückchen gibt…Durcheinanderwuselnde Schweine, die alle nur nach Belohnungen schreien, bringen sowohl den Schweinetrainer aus der Ruhe als auch das Trainingsschwein aus dem Konzept.


Training mit Meerschweinchen – aber bitte nur schweinchengerecht!

Bei allem Ehrgeiz sollte man beim Schweinetraining das wichtigste Ziel nicht aus den Augen verlieren: Spaß für Schweinehalter und Schweinchen. Damit das gemeinsame Training auch für das Schwein in positiver Erinnerung bleibt, sollte man es nicht aus dem Gruppenverband reißen, nur um mit ihm zu trainieren.
Auch wenn das Training in der Gruppe nicht so leicht durchführbar ist und es länger dauert, bis sich Erfolge zeige: Wer seine Schweine wirklich gern hat, trainiert nur so mit ihnen, dass sie sich dabei wohl fühlen. Das gesamte Training sollte freiwillig sein und in der gewohnten Umgebung des Schweinchens stattfinden.
Unsere wenigen Clickerversuche mit Flecki haben zum Beispiel immer im Anschluss an den Freilauf stattgefunden, weil Flecki oft noch draußen rumläuft, wenn die anderen schon längst wieder im Gehege sind. Natürlich bieten sich diese Gelegenheiten nicht so regelmäßig und manches mal wurde eine Trainingssitzung nach zwei Minuten von einem Kollegenschwein zunichte gemacht, das die Leckerchen gerochen hat und schnurstrax noch mal aus dem Gehege gewetzt kam. Oder Flecki fand einen Heuhalm am Boden viel interessanter als den Schweinetrainier. Oder sie bekam nach zwei Minuten Heu-Hunger und verschwand einfach wieder im Gehege und widmete sich der Heuraufe... So ist das Leben.
In unserer undisziplinierten Schweinetruppe ist konzentriertes Arbeiten nicht möglich und alle Versuche der operanten Konditionierung wurden durch wildes Rumgeoinke schnell zunichte gemacht.

Auch wenn es auf unserer Seite den Anschein hat, als seien die Sifle-Schweine absolut perfekt, hier mal ein ehrliches Wort: Bei unseren Schweinen wurden alle Versuche zur Dressur bereits im Keim erstickt. Aber macht nichts. Bei uns dürfen die Schweinchen einfach Schwein sein und das mit der klassischen Konditionierung auf Schnecken-Niveau hat ja zumindest geklappt (Schreischwein Conny).


Na? Etwas schlauer geworden?


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